Kloster Maulbronn

Die ehemalige Zisterzienserabtei

Maulbronn

Mit dem Bau der Kirche von Kloster Maulbronn wurde 1147 begonnen, 1178 wurde sie geweiht. Aus dieser Zeit stammt das bis heute erhaltene hölzerne Hauptportal. Das Bemühen um Schlichtheit der Architektur erkennt man daran, dass auf Apsis, Krypta und Türme verzichtet wurde; zum Stundengebet läutet die Glocke in einem einfachen Dachreiter.

Besonderheit – Kloster Maulbronn

Eine Besonderheit des Längsschiffs ist seine Unterteilung in Mönchs- und Laienchor durch einen heute noch vorhandenen Lettner. Um Ablenkungen bei Gebet und Liturgie zu vermeiden, hat man auf Wandbemalung ebenso verzichtet wie auf Skulpturen und Ornamente. Im 15. Jahrhundert wurde ein steinernes Kruzifix am Lettner angebracht, das aus einem einzigen Steinblock gemeißelt wurde und äußerst kunstvoll die Illusion eines Holzkreuzes hervorruft. Sehenswert sind ferner verschiedene Holzschnitzarbeiten: das Chorgestühl, das Altarrelief und eine Muttergottes (das einzige figürliche Kunstwerk, das das asketische Ideal der Zisterzienser zuließ).

Kloster Maulbronn Umgebung

Um 1220 erhielt die Kirche eine Vorhalle, das sog. Paradies. Es ist die Schöpfung eines unbekannten, aus Frankreich stammenden Baumeisters, der hier erstmals frühgotische Elemente in die Klosterarchitektur Deutschlands einführte, wie Dienste und Maßwerkfenster. Außer der Vorhalle tragen das Herrenrefektorium und der südliche Kreuzgangflügel seine Handschrift.

Ausbreitung des gotischen Stils im Kloster Maulbronn

Diese Neuerungen waren ein wichtiger Meilenstein bei der Ausbreitung des gotischen Stils von Frankreich nach Deutschland, und die Zisterzienser gelten hierbei als wichtigste Vermittler. Zweihundert Jahre später, als die Baukunst der Gotik zur Vollendung gelangt war, wurde die Klosterkirche umgebaut: das Längsschiff erhielt ein Kreuzrippengewölbe und Maßwerkfenster. Das Gewölbe im Chor wurde ausgemalt und mit einem besonders schönen Schlussstein versehen.

Der nördlich an die Kirche anschließende Kreuzgang verbindet die einzelnen Klostergebäude miteinander. An seiner Ostseite liegt der Kapitelsaal, im Norden das Mönchsrefektorium mit Brunnenhaus, und im Westen geht es zum Laienrefektorium.

Das Mönchs- oder Herrenrefektorium kann als der aufwändigste und bedeutendste Bau innerhalb des Komplexes bezeichnet werden. Für die Zisterzienser ist es typisch, dass sie dem Refektorium nach der Kirche die größte Bedeutung beimessen, da sie in diesem Saal täglich zum gemeinsamen Mahl zusammenkommen. Das vom „Paradiesmeister“ gestaltete Gebäude ist über zehn Meter hoch und zweischiffig. Sein frühgotisches Spitzbogengewölbe dürfte das erste seiner Art in Deutschland sein.

Bevor die Mönche das Refektorium betraten, wuschen sie sich im Brunnenhaus (Lavatorium) die Hände. Diese Einrichtung ist eine Erfindung der Zisterzienser, die dem Wasser als Lebensquell besondere Bedeutung zumaßen; dies zeigt sich im Übrigen auch in ihren Bewässerungsanlagen, die einen weiteren Grund für die Auszeichnung als Unesco Weltkulturerbe darstellen. Auf dem runden romanischen Fundament wurde das Brunnenhaus als gotisches Polygon errichtet, auf das im 17. Jahrhundert ein Fachwerkbau aufgesetzt wurde. Der heute zu sehende dreistufige Brunnen ist eine Rekonstruktion; lediglich die unterste Schale stammt aus dem 14. Jahrhundert. Beachtung verdient auch das Deckengewölbe: zum einen wegen der Darstellung des Esels, auf den der Legende nach die Wahl des Ortes für den Klosterbau zurückgeht, zum anderen besitzt es einen sehr schönen Schlussstein.

Der Kapitelsaal diente als Versammlungssaal der Mönche; sein Name leitet sich von dem Brauch her, allmorgendlich ein Kapitel der Ordensregel vorzulesen und auszulegen. Er entstand etwa um 1300. Es handelt sich um eine zweischiffige Halle, ähnlich dem Refektorium, aber niedriger. Der Raumcharakter wird bestimmt von den auf drei Säulen ruhenden sternförmigen Gewölben, die bereits eine Weiterentwicklung der gotischen Baukunst darstellen. Die Mauer zum östlichen Kreuzgang ist durch zwei Maßwerkfenster und einen doppelbogigen Durchgang unterbrochen.

An der Westseite des Kreuzgangs schließt sich nach Norden hin das Laienrefektorium an. Entsprechend der höheren Anzahl an Laienbrüdern ist es größer als das Mönchsrefektorium (es handelt sich um den zweitgrößten überwölbten Raum nach der Kirche), andererseits ist es wesentlich anspruchsloser gestaltet. Das einfachere Kreuzgratgewölbe verleiht dem Raum einen vergleichsweise gedrungenen Charakter. Der zwischen Kirche und Laienrefektorium befindliche Vorratskeller (Cellarium) beherbergt heute das Lapidarium, ein Museum für Steinmetzarbeiten und Baugeschichte des Klosters.

Nördlich vom Kapitelsaal zweigt das Parlatorium schräg vom Kreuzgang ab. Dieser Raum, in dem die Mönche von Kloster Maulbronn notwendige Besprechungen abhalten und Angehörige empfangen konnten, wurde aufgrund der untergeordneten Bedeutung dieser Tätigkeiten erst Ende des 15. Jahrhunderts gebaut. Inzwischen war die Baukunst der Gotik zur Vollendung gereift, was sich in dem wunderbaren Netzgewölbe ausdrückt.

Neben den Klostergebäuden im engeren Sinn befinden sich innerhalb der 1 km langen Klostermauern mehrere Profanbauten, die ursprünglich als Wirtschaftsgebäude dienten und heute anderen Funktionen gewidmet sind: der ehemalige Getreidespeicher („Fruchtkasten“) dient als Stadthalle, der Marstall als Rathaus; in Küferei und Frühmesserhaus ist das Klostermuseum untergebracht. Schmiede, Mühle und Bäckerei beweisen, dass das Kloster Maulbronn mit seinen umliegenden Ländereien entsprechend dem zisterziensischen Ideal wirtschaftlich unabhängig war.

Kloster Maulbronn Veranstaltungen
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